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Praktische Anwendung von vereinfachten Prognosemodellen zur Einschätzung des Infektionsrisikos über Aerosol bei SARS-CoV-2 und der Effektivität von nicht-medizinischen Präventivmaßnahmen

Praxisempfehlungen Nr. 01-2022 | Publikation von Dipl.-Ing. Anne Hartmann, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Martin Kriegel, HRI TUB, Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Charité-Universitätsmedizin Berlin

In vielen Alltagssituationen halten sich mehrere Personen gemeinsam in Innenräumen auf. Es besteht das Risiko einer luftgetragenen Übertragung von Infektionen, wie z.B. SARS-CoV-2. Zur Bewertung des Infektionsrisikos werden oft klassische Dose-Response-Modelle nach Wells-Riley [1, 2, 3] verwendet. Im Folgenden werden mathematische Vereinfachungen aufgezeigt, mit denen in der Praxis nicht-medizinische Präventivmaßnahmen bewertet werden können. Es lässt sich neben einem prozentualen Infektionsrisiko ein sogenannter situationsbedingter R-Wert bestimmen, der die Anzahl der sich wahrscheinlich ansteckenden Personen während eines Aufenthalts in einem Innenraum angibt. Andersherum lässt sich für eine Alltagssituation die notwendige Lüftungsrate bestimmen, damit sich wahrscheinlich maximal eine Person bei dieser Zusammenkunft infiziert. Ferner ist es möglich, bei gegebenen Randbedingungen (bekannter Lüftungsrate, Maskentragen ja/nein) die maximal mögliche Personenanzahl zu ermitteln, damit die Ansteckungsrate kleiner eins bleibt. Die vereinfachten Modelle lassen darüber hinaus einen direkten Vergleich zwischen verschiedenen Innenraumsituationen zu. Schließlich wird eine Möglichkeit aufgezeigt, das Infektionsrisiko zu monitoren, indem der CO2-Gehalt in der Raumluft gemessen und ausgewertet wird. Die Anwendung der genannten Modelle wird anhand von Beispielen aufgezeigt. Sie sind für die Erstellung von Hygienekonzepten für Innenräume und als Teil einer Entscheidungsgrundlage für weitere Interventionsmaßnahmen geeignet.

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